… den Klimawandel auf einer tieferen Ebene verstehen.

 

Ich habe dieses Wochenende extrem spannende Vorträge über die Welt, Umweltwissenschaften, Demokratie usw. gehört und gesehen und ich wollte unbedingt darüber schreiben. Kennst du es, wenn du etwas erfährst oder lernst und dir denkst: DAS MUSS DIE GANZE WELT WISSEN! Warum wusste ich das bisher noch nicht?

Nun, etwas später dachte ich dann: Aber das hat mit Coaching ja nur wenig zu tun … soll ich das dann überhaupt posten. Ich hab mich dafür entschieden, und zwar wegen der Mission, die ich mit verbesserlich verfolge:

Let`s do, was echt #vollmitsinn ist  Lasst uns gute Entscheidungen treffen. Lasst uns einander respektieren und unsere Umwelt schützen. Lasst uns für Gerechtigkeit einstehen. Let`s support each other.

Tja – also eindeutig geht es hier auch um Umwelt. Und der nächste Beitrag – eine Zusammenfassung und teilweise Erweiterung eines Vortrages wird dir zeigen, wie Umwelt und Coaching genial zusammengehören! 😀

Hast du schonmal selbst gedacht, oder jemanden sagen hören: „Lasst uns andere Menschen ausbeuten! Lasst uns die natürlichen Ressourcen soweit verbrauchen oder verschmutzen, dass nichts mehr davon übrig ist!“ Vermutlich nicht. Das sagen wir nicht. Das wollen wir nicht. Und dennoch, passiert genau das in erstaunlichem Ausmaß. Wie kann das sein?

Donella Meadows, eine sehr bekannte Umwelt- und Systemwissenschaftlerin und Biophysikerin, erklärt, dass bei ihr die Alarmglocken läuten, wenn sie Muster erkennt, die sich in einem System immer wiederholen, egal wo man hinblickt: Wir verschmutzen die Luft, die Böden, überfischen die Meere… und auch im Kleinen: Geben oft mehr Geld aus, als wir besitzen etc. Als „Systemdenkerin“ weiß sie, dass in diesem Fall das „Warum?“ eines bestimmten Musters am System selbst liegt. Lass uns da genauer hinschauen und zunächst erläutern, was ein System ist:

Ein System ist ein Zusammenspiel von miteinander verknüpften bzw. kommunizierenden Elementen, die so organisiert sind, dass sie eine bestimmte Funktion erfüllen oder ein bestimmtes Ziel verfolgen. In dieser Definition stecken drei wichtige Erkenntnisse: (1) Ein System hat Elemente: Darunter werden physische, greifbare Teile verstanden. Also z.B. Menschen, oder auch Häuser, oder Computer, oder Tiere, etc. (2) es gibt eine Kommunikation zwischen diesen: ob in Form der Sprache unter Menschen, oder in Form von Preisen etc. (3) und ein System verfolgt immer ein Ziel bzw. eine Funktion. Dieses Ziel wird unausweichlich erreicht. Alles läuft darauf hinaus. Im Beispiel unseres Wirtschaftssystem wäre es z.B. Wachstum. Wenn die Wirtschaft nicht wächst, werden alle unruhig und versuchen mit allen Mitteln, die Wirtschaft wieder zum Wachsen zu bringen.

Donella Meadows versuchte also herauszufinden, ob es einen Grund in unserem System (Wirtschaftssystem) gibt, warum wir im Großen wie im Kleinen dasselbe tun: Ressourcen ausbeuten, verschmutzen und über die Maßen strapazieren.

Aus dem systematischen Coaching kenne ich den Ansatz zu sagen: Was ein Mensch tut, macht in seinem Kontext und in der spezifischen Situation inkl. Hintergrund Sinn. Selbst ein Verhalten, wie sich selbst zu verletzen, andere zu verletzen, wegzustoßen, obwohl man jemanden liebt, sich selbst abzuwerten etc., wird (1) entweder irgendwann in der Geschichte ein nützliches Verhalten gewesen sein oder (2) es ist durch die gegebenen Umstände immer noch nützlich – auch wenn es für einen Außenstehenden vielleicht nicht so aussieht. Ganz ähnlich argumentiert D. Maedows, dass die einzelnen Systemelemente (Menschen) weder verrückt noch irrational handeln, wenn sie die natürlichen Ressourcen ausbeuten. Im Gegenteil: Sie handeln systemkonform. Noch krasser ausgedrückt: Sie (Wir) können in diesem System gar nicht anders. Das System bringt uns dazu. Es erfordert diese Entscheidungen, Verhaltensweisen etc. von uns. In logischer Konsequenz ist es egal, wer an welcher Position sitzt – das System erfordert immer die gleichen (oder zumindest ähnliche) Verhaltensmuster. Daher können Politiker*Innen wechseln, Ämter neu besetzt werden etc., aber die Politik, die nationale Wirtschaft, oder auch die Schule werden immer ähnlich bzw. mit demselben Outcome geführt (zb Wirtschaftswachstum).

Lass uns an dieser Stelle noch genauer auf die „Hierarchieebenen“ eines Systems schauen:

  1. Funktion / Zweck
  2. Kommunikation / Beziehungen
  3. Elemente
  4. Verhalten
  5. Events

An oberster Stelle steht die Funktion, der Zweck. Will man ein System wirklich verändern, dann muss man genau dort ansetzen. Darunter liegen die Beziehungen und Kommunikationsformen. In welcher Art und Weise kommuniziert wird, bestimmt, wie sich die Elemente verhalten. Und an unterster Stelle die „Events“ – über die bspw. in unseren Medien berichtet wird. Das sei auch eines unsere Probleme, meinte Meadows. Die Medien sollten ein größeres Verständnis und Bild vermitteln, und nicht bloß über „Events“ (wer wurde erstochen, wer hat welches schreckliche Bild veröffentlicht etc.) berichten und uns damit kein Verständnis von langfristigem Verhalten vermitteln. Sie sollten uns weniger unterhalten, sondern mehr informieren. Anderes Thema (dennoch interessant).

Diese Hierarchieebenen zeigen allerdings sehr schön, dass durch ein Individuum (Element) keine System-Veränderung erreicht werden kann. Es muss weiter oben angesetzt werden. Und jetzt kommt`s: Donella Meadows hat an einem einfachen Beispiel gezeigt, wie das ganze nun konkret funktioniert: Und zwar anhand der Fischerei.

In einem sehr vereinfachten Modell hat sie folgendes angenommen: Es gibt ein Meer mit Fischen. Diese Fische vermehren sich mit einer bestimmten Regenerationsrate. Wenn es gar keine Fische mehr gibt, dann ist auch die Vermehrungsrate gleich null. Logisch. Ausgestorben. Es gibt aber auch ein Maximum an Fischen. Bei einer bestimmten Populationsrate wird sich ein Gleichgewicht einstellen. Die Fische finden dann z.B. nicht mehr genug Nahrung um noch an Zahl zuzunehmen. Sie haben ihr Populationsmaximum erreicht. Und irgendwo dazwischen gibt es einen Punkt, an dem die Regenerationsrate (=Zunahme an Fischen) am größten ist.

Zu diesem Modell hinzu kommen jetzt Fischerboote. Diese fischen die Fische. Je mehr Fische es gibt, desto mehr haben sie in ihren Netzen. Ihr Profit wird durch Multiplikation eines Fixpreises mit der Anzahl der gefischten Fische berechnet. Je mehr Fische, desto höher der Gewinn. D. Meadows hat außerdem angenommen, dass die Fischer eine jährliche Wachstumsrate ihres Unternehmens von 10% anstreben. Das heißt, sie möchten jedes Jahr 10% mehr Boote am Meer draußen haben als im Jahr zuvor. Allerdings nur, wenn der Profit das auch zulässt. So weit so gut. Klingt mal recht realistisch, wenn auch stark vereinfacht.

Das ganze wurde jetzt mit einem Computermodell durchgerechnet. Gestartet wurde mit ein paar Booten und mit einem Meer voll mit Fischen. Die Grafik zeigt, was passierte: 

systeme1

Es stellte sich ein Gleichgewicht ein 🙂 Irgendwann gab es ein Gleichgewicht (Homöostase) zwischen den positiven und negativen Feedbackschleifen. Eine positive Feedbackschleife in diesem System ist diese: Je mehr Boote – desto mehr gefangene Fische – desto mehr Gewinn – desto mehr Boote etc.

Eine negative Feedbackschleife ist: je mehr Boote – desto weniger frei lebende Fische – desto weniger Fangzahlen – desto weniger Gewinn – desto weniger Boote. Es gibt in diesem System also eine ganz natürliche Regulation.

Die Forscher haben dann ein bisschen die Variablen verändert. Sie haben angenommen, dass es einen technologischen Fortschritt gab, mit dem nun mehr Fische aus dem Meer geholt werden konnten – bei gleichbleibender Bootszahl. Die Boote wurden „besser“. Was ist dann passiert:

systeme2

Es stellte sich ein oszillierendes Gleichgewicht ein. Die negative Feedbackschleife setzte wie vorher ein, allerdings etwas zeitverzögert, sodass sich eine typische Beute-Räuber-Oszillation (Schwingung) einstellt. Nicht weiter schlimm.

Was passiert allerdings, wenn man die Technologieschraube noch etwas weiter anzieht? An irgendeinem Punkt beginnt das System zu kollabieren. An dieser Stelle ist es nochmal wichtig sich die Regenerationsrate der Fische vor Augen zu führen. Zu Beginn, wenn man Fische dem Meer entnimmt, STEIGT die Vermehrungsrate. Die Fische haben wieder mehr Platz. Sie vermehren sich schneller… und die Vermehrungsrate nimmt immer weiter zu, je mehr Fische gefischt werden. Ab einem gewissen Punkt jedoch ist die maximale Vermehrungsrate erreicht. Wenn man dann den Fischbestand weiter reduziert durch die Fischerei nimmt die Vermehrungsrate ab. Und nun nimmt sie mit jedem neu gefangenen Fisch weiter ab. Sehen wir uns an, was nun das Simulationsmodell zeigt:

system3

Ökonomen argumentieren gerne, dass die Preisadaptierung eine völlige Ausbeutung verhindert. Wenn nämlich eine Ressource (Fisch) immer seltener und damit auch kostenintensiver in der Herstellung (Fangen) wird, dann wird der Preis pro Einheit immer höher. Die Menschen können sich den Fisch nicht leisten. Der Fischfang würde also abnehmen weil er keinen (oder nicht mehr ausreichend) Profit abwirft. Der Fischbestand kann sich wieder erholen. Theoretisch stimmt D.Meadows da zu, allerdings hat sie ein hervorragendes Gegenargument.

Die Annahme der Ökonomen würde zutreffen, wenn das Kapital auf der Welt gleichmäßig (nicht exakt gleich, aber zumindest ohne große Unterschiede zwischen reich und arm verteilt wäre). Wir alle wissen: Davon sind wir weit entfernt.

Was bedeutet das? Da das Kapital nicht gerecht verteilt ist, wird es immer eine reiche Elite geben, die sich den Fisch leisten kann. Praktisch egal um welchen Preis. Und genauso ist es z.B. mit dem Roten Thunfisch passiert. Es musste ein Fischereiverbot erhängt werden, um ihn ganz vor dem Aussterben zu bewahren. Der Markt alleine war nicht in der Lage, sich selbst zu regulieren. Ist doch beruhigend, wenn der Staat da regulierend eingreifen kann, oder?

Einerseits ja – vorausgesetzt er tut es auch (rechtzeitig). Andererseits verschlechtern staatliche Maßnahmen oft noch zusätzlich die Situation. Indem z.B. Produzenten gefördert werden, weil sonst die Produktion (in diesem Beispiel Fischfang) nicht mehr rentabel wären. Oder sie fördern die Konsumenten, damit sie sich den Fisch noch leisten können. Oder sie treiben durch Förderungen die technologische Entwicklung weiter voran, sodass noch mehr gefischt werden kann.

Schauen wir uns die letzte Grafik genauer an. Kurz vor dem Kollaps, wie sieht die Situation da aus? Eigentlich super.. es gibt ökonomisches Wachstum. Der Druck auf das Wirtschaftswachstum nimmt in dieser Phase immer weiter zu. Gleichzeitig steigt der Gegendruck – in Form von extrem kleinen Fischbeständen, hohen Umweltverschmutzungen oder auch z.B. dem Klimawandel. Das alles sind jedoch Symptome eines Systems, das „falsch programmiert“ ist. In einer endlichen Welt, mit limitierten Ressourcen, kann ein System, das auf stetiges Wachstum ausgelegt ist, nicht funktionieren. Irgendwann kommt es zum Stehen – ob freiwillig oder unfreiwillig.

system4

D.Maedows hat ganz konkrete Lösungsvorschläge:

  1. Es braucht ein „genug“. Der berühmte Ökonom Tomáš Sedláček hat kürzlich ein Buch veröffentlicht, das heißt: „Bescheidenheit – eine neue Ökonomie“. Seiner Meinung nach ist die größte „Sünde“ des Menschen die Nicht-Einhaltung des Sabbats, als Metapher für eine Haltung der Zufriedenheit und der Dankbarkeit mit dem, was man hat. Er „predigt“ geradezu, dass wir aufhören müssen, ständig zu wachsen. Es muss ein genug geben. Wir dürfen uns von unserer Kultur des Mangels verabschieden. Wir haben ausreichend. Und sogar mehr als das. (Anmerkung: Gilt derzeit natürlich nicht für jede Person auf diesem Planeten – siehe Forderung 5)
  2. Es braucht ausbalancierte positive und negative Feedback-Loops.
  3. Es braucht klare, schnelle Informationsweitergabe. Das heißt auch eine echte Preistransparenz (ohne Förderungen etc.) und gute Berichterstattung durch die Medien, kein „Entertainment“.
  4. Die Ressourcen, die die Basis unserer Existenz bilden, müssen uns „heilig“ sein. Wir sollten nicht mal daran denken, sie auszubeuten. Das sollte außerhalb der Denk- und Handlungsmöglichkeiten liegen. 
  5. Es braucht eine sozial gerechte Verteilung des Kapitals und der Ressourcen. Anders kann das System (wie oben gezeigt) nicht funktionieren.
  6. Das Ziel / der Fokus eines Systems wird durch Änderung des Mindsets verändert.

Damit können wir nachhaltige Systeme schaffen 🙂 – ein Muster, das sich wiederholen wird, immer und überall, im Kleinen als auch im Großen.

Bereits in der Bibel heißt es in Genesis 1, 28: „Macht euch die Erde untertan.“, was so viel bedeutet wie: „Der Auftrag des Schöpfers an den Menschen heißt, dass er die Welt als Gottes Schöpfung im Rhythmus und in der Logik der Schöpfung pflegen solle“ (Ratzinger, 1996).

Der Klimawandel ist demnach nur ein Symptom eines darunter liegenden Problems: Das beständige Bestreben nach Wachstum mit endlichen Ressourcen auf einem endlichen Planeten. Den Klimawandel mit den Mitteln wirtschaftliches Wachstum zu bekämpfen, könnte zwar vielleicht (kurzfristig) die Klimaerwärmung drosseln, das zugrundeliegende Problem würde dann aber einfach in einer anderen Form zu Tage treten.

Liebe(r) Blogleser*In: Was denkst du zu dem Vortrag / Inhalten von D. Meadows? Was bedeutet es für dich, dein Mindset hin zur Nachhaltigkeit, weg von einer Kultur des Mangels, zu verändern? Wenn du weitere spannende Infos, Videos oder Vorträge zu dem Thema hast, dann teile sie bitte in den Kommentaren 🙏.

Go 4 Gold & Be Blessed,
Lisa

P.S.: Ich habe versucht, die Essenz aus Meadows Vortrag herauszuarbeiten. Der Vortrag selbst ist aber noch umfassender und sehr empfehlenswert (auch wenn er bereits im Jahr 1999 gehalten wurde ist). Den Link dazu findest du hier:

Quellen