Am 1.Adventstag bin ich durch die Straßen Wiens spaziert und habe mir überlegt, wie ich diese Zeit für mich nutzen möchte. Da habe ich daran gedacht, dass bald der Januar und das neue Jahr warten. Neue Vorsätze. Pläne für 2020. Neue Ziele. Und mir dann gedacht, dass ich mich in diesem Advent ganz bewusst nicht mit der Zukunft beschäftigen möchte. Es soll eine Zeit sein, in der ich zurückschauen darf. Evaluieren. Mich freuen. Erinnern. Bewerten. Was waren meine Ziele zu Beginn 2019? Was waren meine Erwartungen an das Jahr?

Wo hast du dich weiterentwickelt seit Dezember 2018?

Kürzlich meinte ein junger, talentierter Mann zu mir, dass er sich Ziele setzt, die Ergebnisse aber nicht an den Zielen, sondern am War-Zutand in der Vergangenheit misst. Coole Sache, denn selbst, wenn du hoch gesteckte Ziele nicht erreicht hast, bist du vielleicht dennoch ein gutes Stück weitergekommen 🙂

Miss deine Ergebnisse an deinem War-Zustand, nicht an deinen Zielen 🙂

Seit einigen Jahren frage ich mich während der Weihnachtsfeiertage: Wo werde ich wohl im nächsten Jahr stehen? Wie werde ich mein Geld verdienen? Welche Ziele werde ich umgesetzt haben? Was werde ich tun? Und was nicht mehr? Dann habe ich mich immer auf die Zukunft gefreut, weil ich voller Hoffnung war, dass ich im nächsten Jahr endlich nicht mehr den Job machen werde, den ich nicht gerne tue und endlich das gefunden haben werde, was mich erfüllt ;P
Und tataaaa… zu dieser Weihnachtszeit ist es soweit 😀 Ich habe in diesem Jahr den Schritt gewagt. Mich hinein begeben in diese Ungewissheit. Und wie fühlt es sich jetzt an? Wunderbar! Ich bin frei :D:D Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem gemütlichen Wiener Café und genieße die Atmosphäre – wie cool! Auf der anderen Seite gibt es da aber noch eine Ungewissheit: Wird mich meine Tätigkeit im neuen Jahr finanziell tragen können? Werde ich wieder einen Job in Teilzeit annehmen „müssen“?

Auf irgendeine Art und Weise fühle ich mich gar nicht so viel anders als in den Jahren davor. Zumindest was das Thema Zufriedenheit und Glück betrifft. Ich habe erfahren: Glücklich sein, das hängt nicht (oder nur zu einem kleinen Anteil) von den Umständen ab. Es hat viel mit der inneren Haltung zu tun. Aber ich habe auf jeden Fall mehr denn je begriffen, wie groß mein Handlungsspielraum ist! Ich habe begriffen und erfahren, dass ich mir mein Leben gestalten – und nicht nur davon träumen – kann. Ich habe meine Selbstwirksamkeit und ein neues Maß an Selbstvertrauen entdeckt. Ich bin guter Dinge, zufrieden, glücklich. Ja, das kann ich aus ganzem Herzen sagen. Und ich bereue es definitiv nicht. Da kommt mir ein Zitat in den Sinn:

„Ich habe jahrelang gegen meinen Wunschberuf angekämpft und war sehr unglücklich. Jetzt arbeite ich als Künstler, bin total pleite, habe ständig Geldsorgen, bin aber über alle Maßen glücklich.“ – Urheber unbekannt, in Gretchen Rubins Happiness-Projekt.

Wofür bist du dankbar, worauf bist du stolz, wovon bist du enttäuscht?

Wenn ich auf das letzte Jahr zurückblicke, dann erkenne ich Ziele, die ich erreicht habe, und andere, die ich nicht erreicht habe. Dann erkenne ich Wünsche und Ziele, von denen ich nicht weiß, wie ich sie messen kann: Habe ich sie erreicht? I don`t know. Dann empfinde ich Enttäuschung und Frustration, dass manches nicht die Ergebnisse gebracht hat, die ich mir vorgestellt habe. Wenn ich zurückblicke habe ich auch das Gefühl, die Zeit vergeht viel zu schnell und ich konnte sie viel zu wenig nutzen.

Mir wurde bewusst, dass die ersten Monate des Jahres sehr intensiv waren. Ich habe so viel Neues gemacht: Die Website, den Blog gestartet, mich in die Selbstständigkeit begeben, schwierige Entscheidungen getroffen etc. Und dann verging die Zeit unglaublich schnell. Ich habe manche meiner Vorsätze aus 2018 zu Gewohnheiten gemacht: regelmäßig Spazieren gehen. Schreiben. Lesen. Darauf bin ich stolz.

Zu Weihnachten mache ich dieses Jahr einen Wandkalender für meine Oma. Da kommen Bilder rein, die während des gesamten letzten Jahres entstanden sind. Als ich die Bilder durchgesehen habe sind mir wieder alle möglichen Dinge eingefallen, die ich erlebt habe! Wie schön, mich an den Sommer zu erinnern, an den Urlaub, an die Geburtstagsfete meiner Schwester, für die ich ein Lied geschrieben und gesungen habe! Daran habe ich schon lange nicht mehr gedacht 😮

Kurzgefasst entscheide ich mich in diesem Advent dazu…

  • Mich an das Gute und Schöne zu erinnern, es mir lebhaft hervorzuholen und
  • dankbar dafür zu sein.
  • Mir Enttäuschungen einzugestehen und mir selbst vergeben, wo ich meinem Standard und Erwartungen nicht gerecht wurde.
  • Mir auf die Schulter klopfen für die Dinge, die ich erreicht habe.
  • Abzuschließen, was ich noch abschließen möchte (z.B. lang ausstehende Mails schreiben, mich bei alten Freund*Innen melden etc.).

Ich möchte dieses Jahr abschließen, in dem ich mich an all das Gute erinnere und dafür dankbar bin. In dem ich mich freue und stolz bin auf das, was ich erreicht habe. Indem ich mir vergebe für das, wo ich mich selbst enttäuscht habe. Und noch die Dinge fertig mache, die ich in diesen letzten Wochen von 2019 noch abschließen kann 🙂

Ich bin neugierig, wie du die Adventszeit nutzt bzw. nutzen möchtest!

BeBlessed & Go4Gold

Lisa