Viele Menschen haben das Gefühl, nicht genug zu sein. Aber zunächst, was heißt das eigentlich? Vermutlich geht es nicht darum, ob du gut genug in Mathe bist. Oder ob du gut genug fürs Sportteam bist. Es geht um ein viel profunderes Genugsein. Wenn du dir diese Frage stellst, bezieht sie sich auf dich als Person. Bist du als Mensch wertvoll, liebenswürdig und geliebt? Tja, diese Frage kann, Hand aufs Herz, nur mit einem lauten und starken „Ja“ beantwortet werden. Gott sei Dank, haben wir uns als Menschheit 1948 auf die Menschenrechte geeinigt, und mit diesen darauf, dass jeder Mensch, völlig egal woher oder warum, wertvoll ist. Dennoch zweifeln viele Menschen nicht mit ihrem Verstand, aber doch mit ihrem Herzen daran, genug zu sein.

Lass mich eine weitere Frage stellen: Welchen Ansprüchen denkst du als Mensch gerecht werden zu müssen? Vielleicht denkst du, du musst etwas Großartiges leisten, um es wert zu sein, geliebt zu werden. Oder du denkst, du musst besonders freundlich oder geduldig sein, damit du es wert bist, dass man mit dir Gemeinschaft haben möchte. Woher kommen diese Ansprüche? Es steht sicher niemand neben dir, der dir das beständig zuflüstert. Es kann sein, dass du als Kind einprägsame Situationen erlebt hast, die dir vermittelt haben, dass du nicht gut genug bist. Vielleicht hast du auch später Erfahrungen gemacht, die bei dir dieses Gefühl hinterlassen haben. Und irgendwann ist daraus eine tiefe Überzeugung geworden, eine Art Innere Stimme hat sich entwickelt: die Selbstzweifel, auch genannt der „Innere Kritiker“.

Ich möchte dich dazu einladen, deinen „Inneren Kritiker“ aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Wenn du deine Selbstzweifel einmal total ernst nimmst, sie wirklich wortwörtlich nimmst, würdest du ihnen dann zustimmen? Ich gebe dir ein Beispiel: Du denkst oft über dich, dass du dumm bist und einfach nichts auf die Reihe kriegst. Stimmt das wirklich? Hast du wirklich noch nie, noch nie, noch nie in deinem Leben etwas auf die Reihe gekriegt? Mal ehrlich, natürlich kriegst du Dinge auf die Reihe! Mal umgekehrt betrachtet: Kennst du irgendjemanden, dem IMMER ALLES gelingt?

Genau. Überprüfe deine Selbstzweifel und relativiere sie: „Diesmal ist mir das nicht gelungen. Dieses Entscheidung / diese Handlung war dumm, das nächste Mal mache ich es anders.“

Ein Schlüssel, um inneren Frieden zu erlangen, ist einen liebevollen Umgang mit sich selbst zu pflegen. Nun ist das tricky, denn das nächste Mal, wenn die Stimme deines Inneren Kritikers zuschlägt (wortwörtlich), dann bist du diesmal vielleicht verleitet, dich daraufhin zu schelten: Jetzt mach ich mich schon wieder runter! Und schon bist du erneut im Muster der Selbstabwertung. Es geht darum, inneren Frieden zu schließen mit dir selbst, das heißt, mit dem Krieg führen aufzuhören. Ein Krieg wurde noch nie mit Krieg beendet, sondern damit, dass man aufhört Krieg zu führen. Beschließe, den inneren Krieg gegen dich selbst zu beenden. Beim nächsten Mal, wenn du dich bei der Selbstabwertung ertappst, könntest du dich stattdessen bei dir selbst entschuldigen und dir vergeben. Probiere es mal aus :).

Ein Krieg wurde noch nie mit Krieg beendet, sondern damit, dass man aufhört Krieg zu führen. Beschließe, den inneren Krieg gegen dich selbst zu beenden.

Es gibt noch einen weiteren Schlüssel, um neues Vertrauen in sich selbst zu finden. Frage dich: Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Ich nehme an, dass am Ende dieser Frage steht: Ich könnte von anderen abgelehnt werden. Das ist eine der Grundängste von uns Menschen. Wir wollen Gemeinschaft mit anderen haben und wir wollen geliebt werden. Der Mensch ist ein Herdentier und evolutionär betrachtet, brauchen wir andere für unser Überleben. Okay, aber was heißt das jetzt für dich? Im Grunde geht es darum, das Vertrauen in dich selbst aufzubauen, dass du selbst mit dem schlimmsten Szenario, nämlich dass du abgelehnt, verspottet, verhöhnt oder ausgelacht wirst, umzugehen. Ich kann dir nicht versprechen, dass dir das nie passieren wird, aber ich kann dir etwas anderes versprechen: Es wird dich nicht umbringen! Ich kann mir bereits vorstellen, wie jetzt viele „Aber`s“ in deinem Kopf auftauchen und Gründe, warum es dich doch umbringt (zumindest emotional). Okay, aber was wäre die Alternative? Lassen wir die Aber`s mal stehen und machen wir dieses Gedankenexperiment:

Wenn das Gefühl nicht genug zu sein, dein Leben bestimmt, dann kennst du vermutlich die eine oder andere dieser Verhaltensweisen: Es fällt dir schwer „Nein“ zu sagen. Du nimmst dir zu wenig Zeit für dich selbst und die Dinge, die du gerne tun würdest. Du erlebst es, ausgenutzt zu werden. Du schaffst es nicht, deine eigenen Grenzen gut einzuhalten. Du sagst deine Meinung nicht, vor allem dann, wenn du damit andere vor den Kopf stoßen würdest. Du gehst Konflikten aus dem Weg. Du lässt lieber andere die Entscheidungen treffen (auch wenn es um dein eigenes Leben geht) usw. Vielleicht ahnst du es jetzt bereits: Wenn du dich dazu entscheidest diesen Mustern weiter zu folgen, dann musst du dich der Angst vor Ablehnung vielleicht nicht so offensiv stellen. Aber du musst dich ganz schön verbiegen. Das Verrückte ist, dass dieser Schuss sogar nach hinten losgehen kann, denn vermutlich ist es für deine Mitmenschen sehr anstrengend, wenn du nicht sagst, was du möchtest und keine Entscheidungen treffen willst. Was denkst du jetzt: Welche Variante macht dich auf Dauer glücklicher?

Du darfst es wagen, dich aus dem Strom der Masse heraus zu bewegen und mal dagegen zu schwimmen :)! Finde heraus, was der erste, noch so kleine Schritt ist, bei dem du die Angst vor Ablehnung aushalten kannst und den du gegen den Strom setzen kannst. Du wirst überrascht sein, dass andere Menschen es sogar attraktiv finden, wenn du zu deiner eigenen Meinung stehst, weißt, was du willst und auch mal Ablehnung riskierst 🙂

Go for Gold & be blessed,

Lisa