Im letzten MeetUp haben wir zum Thema „Freude, Glück & Motivation“ angeregt diskutiert. Einen Beitrag zum Thema Motivation habe ich bereits vor einigen Wochen gepostet, den du hier nachlesen kannst. In dem heutigen Beitrag möchte ich speziell auf die Emotion von Freude bzw. Glücklichsein eingehen. Du erfährst, wie du diese positive Empfindung mehr in dein Leben holen kannst, und warum es eine Lüge ist, dass jede*r immer glücklich sein will.

Freude erlangst du durch dein Herz, nicht durch deinen Verstand

Wir alle haben Bilder im Kopf, die uns suggerieren, was glücklich macht: Am Strand auf Mauritius liegen, einen Berggipfel besteigen, viel Geld verdienen, einen angesehenen Job haben, verheiratet sein, Kinder haben, in einem Haus mit Garten wohnen, gut aussehen, gesund essen, durchtrainiert sein etc. – Wenn du all das hast, dann müsstest du doch glücklich sein und dich daran freuen, oder?

Ich persönlich habe es erlebt, dass ich am Strand in Mauritius liege, mich langweile und das Gefühl der Zufriedenheit einfach nicht kommen möchte. Dass ich es anstrengend finde, stundenlang am Strand liegen „zu müssen“, in der Hitze in einem 5-Sterne-Hotel, in dem das Essen europäischer ist, als in meinem Lieblingslokal in Wien. Das spannende an der Freude ist, dass du sie nicht erzwingen kannst. Du denkst dir vielleicht „Eigentlich müsste ich glücklich sein. Ich bin gerade am schönsten Ort.“ Oder: „Ich habe alles, was ich mir wünsche.“ Oder: „Es gibt nichts, worüber ich mich beklagen könnte.“ und dennoch verspürst du eine Leere. Manchmal haben wir Vorstellungen davon, was glücklich macht, die nicht unseren individuellen Vorlieben entsprechen. F

„Glück ist kein Gedanke, sondern ein Gefühl.“

Maja Storch, Forscherin, Psychologin & Therapeutin

Dein Gehirn ist darauf programmiert, deinem Organismus das Überleben zu sichern. Sogar mehr noch: Es ist darauf ausgelegt, Wohlbefinden herzustellen. Die Erfahrungen und Erlebnisse deines gesamten Lebens werden in sogenannten „somatischen Markern“ gespeichert. Diese somatischen Marker vermitteln dir entweder ein „Ja“ oder ein „Nein“. So könnte in deinen somatischen Markern bspw. der Geruch einer Feuerstelle mit der Erinnerung an lustige Grillabende mit der Familie assoziiert sein, sodass der Geruch alleine ein gutes Gefühl auslöst. Oder es könnte sein, dass du einem Menschen begegnest, und du skeptisch und zurückhalten bist, ohne zu wissen warum, die Person aber irgendetwas trägt, speziell riecht, oder sich so verhält, wie es in deinem Erfahrungsgedächtnis als „gefährlich“ abgespeichert ist. Unser Erfahrungsgedächtnis ist es, das es uns ermöglicht sofort ein gutes oder negatives Gefühl bei Menschen oder in einer Situation zu haben. Die Informationsverarbeitung läuft auf dieser Ebene viel schneller ab, als in unserem „bewussten“ Gehirn und in Gedanken. Dein Erfahrungsgedächtnis beschützt dich – die Information der negativen somatischen Markern ist überlebenswichtig. Das ist der Grund, warum diese häufig stärker ausgeprägt und besser wahrgenommen werden können, als positive somatische Marker. Für das empfinden von Freude sind die positiven somatischen Marker unabdingbar. Es ist der Zustand, in dem jede Faser deines Körpers „Ja“ sagt, „es“ will, „es“ gut befindet und sich schlichtweg freut.

Wege zum Glück

Ich denke, es gibt zwei Wege, wie Menschen Freude empfinden:

  1. Glück nach einem Adrenalin-Kick: Hast du es erlebt, dass du aus deiner Komfortzone herausgetreten bist, etwas gemacht hast, dass dir Angst eingeflößt hat und du am Ende „siegreich“ daraus hervorgegangen bist? Wie fühlte es sich an? Vermutlich sehr gut. Dein Körper ist heilfroh, wenn die Gefahr vorüber ist, und du dich wieder sicher fühlst. Viele Menschen lieben Wettkämpfe, in denen sie sich beweisen können oder das Gefühl, wenn man ein großes und schwieriges Ziel erreicht hat.
  2. Es gibt auch „kleinere“ Momente des Glücks, die zunächst vielleicht trivial oder unbedeutend erscheinen. Wenn ich z.B. Mittwochs immer auf den Schafberg fahre und von dort oben am Morgen über die Stadt blicken kann, dann freut mich das. Oder wenn ich an einem heißen Sommertag ein Jolly-Eis esse, dann bin ich zufrieden. Es gibt tausende Möglichkeiten, wie kleine Momente des Glücks bei dir hervorgerufen werden können.

Ich denke, dass die erste Art des Glücksgefühl leicht zu reproduzieren ist. Mach einfach etwas, das dir Angst macht :). Diese Art des Glück-Erlebens ist für deinen Körper aber sehr anstrengend. Dein Körper wird mit einem Hormoncocktail von Adrenalin, Stresshormonen und dann Glückshormonen überschüttet. Ein Leben, in dem du täglich einem solchen „Glückserlebnis“ ausgesetzt wirst, ist für deinen Organismus nicht erstrebenswert. Bei der Vorstellung daran, sagt dein Körpergefühl, deine somatischen Marker: „Nein danke! Das ist zu anstrengend!“ Jeder Organismus sucht Stabilität, zu viel Veränderung, zu viel Herausforderung ist nicht gut für uns, und triggert die negativen somatischen Marker. Kannst du dir vorstellen, dass viele Menschen, wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst sind, Angst davor haben, glücklich zu sein? Sehen wir uns diesen Aspekt zunächst näher an, bevor wir uns den Strategien für mehr Freude der zweiten Art widmen.

Die Angst vor dem Glücklichsein

Sowohl die Psychologin Anouk Claes, als auch die Therapeutin und Forscherin Maja Storch beschreiben in ihren Büchern (siehe „Literatur zum Thema“ ganz unten), dass Glück eine der am meisten mit Angstgedanken behaftete Emotion ist, und häufig mit negativen somatischen Markern besetzt ist. Dies hat mehrere Gründe:

  • Glücklich sein wird mit Euphorie oder Kontrollverlust assoziiert

Dein „Gehirn-Google“ assoziiert mit Glück Euphorie und/oder Kontrollverlust. Zustände, die dein Organismus auf Dauer vermeiden möchte. Euphorie, weil sie körperlich anstrengend ist und Kontrollverlust, weil es gefährlich sein kann „blind vor Glück“ zu sein oder alles durch „die rosarote Brille“ zu sehen.

  • Glücklich sein verursacht Neid bei anderen

De facto gibt es Menschen, die auf deine Glückseligkeit mit Neid reagieren werden. Deine somatischen Marker, dein Organismus setzt alles daran um sicherzustellen, dass du ein akzeptiertes Mitglied einer Gruppe bist. Das kann bedeuten, dass es sozial gesehen hilfreicher ist, nicht dauerhaft glücklich zu sein.

  • Wer immer glücklich ist, ist nicht normal

In unserer Gesellschaft gibt es das Sprichwort „Eigenlob stinkt“. Darin wird deutlich, dass es gesellschaftlich nicht angesehen ist, über die eigenen Erfolge zu sprechen. Viel üblicher ist es, Trauriges miteinander zu teilen und Probleme zu besprechen, sodass man füreinander da sein kann. Stell dir vor, du hast keinerlei Probleme und es geht dir blendend – und das bereits seit Wochen. Du kannst dich über keinen Lebensbereich beklagen. Am Abend triffst du eine Freundin zum Café. Worüber werdet ihr sprechen? Was wirst du erzählen? Fühlt es sich vielleicht komisch an, wenn du über kein Problem sprechen kannst? Es gibt sogar Menschen, die denken mit ihnen sei etwas falsch, weil sie keine Probleme haben und es ihnen im Grunde einfach gut geht.

„Menschen tauschen sich im allgemeinen eher über die traurigen Erfahrungen aus und viel weniger über die glücklichen Momente und Dinge, die sie erleben.“

Anouk Claes, Psychologin

  • Glücklich sein ist mit Schuld oder Scham verbunden

Stelle dir vor, du begegnest glücklich und freudig einer / einem guten Freund*in, der / dem es gerade schlecht geht. Aus Mitgefühl wirst du dein Glücklichsein zurückhalten und verstecken. Darf ich glücklich sein, während es anderen in meinem Umfeld, oder auf dieser Welt, schlecht geht? Manche Menschen fühlen sich schuldig, wenn sie „zu“ glücklich sind und sie fragen sich, ob sie ihre Zufriedenheit überhaupt verdient haben.

  • Die Angst vor dem Verlust

Ein weitere Grund, warum Menschen sich scheuen glücklich zu sein, ist die Furcht, das Glück wieder zu verlieren. Wenn man von vorn herein hingegen neutral oder leicht traurig ist, dann bewegt man sich auf der sicheren Seite und bewahrt sich vor Enttäuschungen.

  • Wut und Trauer bringen uns weiter, Glück nicht

Persönliche Entwicklung gilt in unserer Gesellschaft als erstrebenswertes Ziel. Phasen der Trauer und Krisen werden mit der Chance des persönlichen Wachstums assoziiert. Einen guten Zugang zur eigenen Wut zu haben, wird ebenfalls als positiv für die eigene Entwicklung angesehen: Es hilft im Grenzen setzen, bringt dich in deine Stärke und gibt dir Kraft. Glückseligkeit hingehen wird oftmals als ein Zustand nach einem langen und mühsamen Weg erachtet, aber nicht als etwas, das uns „weiterbringt“.

Dies alles sind Gründe, warum deinem emotionalen Gedächtnis das Glücklichsein womöglich verdächtig ist und warum du dich bewusst oder unbewusst in deinem Glücks-Bestreben sabotierst.

Freude ist lernbar

Mache dir zunächst bewusst, dass du Freude empfinden darfst und befreie dich auch von dem Anspruch immer glücklich sein zu müssen. Wie wir gesehen haben, hat es Vorteile, wenn nicht immer alles himmelhochjauzend toll ist 🙂 Eine angenehme Freude tut deinem Organismus gut, stärkt das Immunsystem und fördert die Kreativität. Freude ist etwas, das erlernbar ist, und dass du dir in dein Leben holen kannst. Übung macht den Meister – habe deshalb Geduld mit dir selbst.

Finde zunächst einen Begriff oder eine Beschreibung, der in deinem Körpergefühl ein eindeutiges „Ja“ auslöst. Versuche hier nicht rational zu denken, sondern rein auf dein „Bauchgefühl“ zu hören. Ist „Glücklichsein“ wirklich das, was du möchtest? Ist es wirklich eine Wunschvorstellung, dass es dir von Tag zu Tag besser geht, oder macht eine andauernde Veränderung und ein Glückswachstum ins Unendliche nicht vielmehr Stress? Suche dir einen Begriff oder eine Metapher, die in dir ein 100%iges „Ja, das will ich“ auslöst. Z.B. hat eine Klientin gemeint, dass sich das positive Gefühl, wie ein im Bauch schlummerndes Murmeltier anfühlt. Das möchte sie haben, weil es sie in ihre Mitte bringt und ihr ein wonniges Lächeln über die Lippen schickt. Für manche ist „Zufriedenheit“ ein gutes Wort (anderen ist es zu bürgerlich), manche mögen „Wohlbehagen“ (anderes wäre das zu trivial), manche finden „Freude“ gut (während das anderen zu anstrengend ist) und manche bevorzugen „Genuss“ (für andere klingt das zu sündig).

1. Schärfe deine Eigenwahrnehmung

Jede*r erlebt täglich Momente der Freude. Ob es der Kaffee am Morgen ist, das Bier zu Mittag, ein Schokoladestück, das SMS einer lieben Freundin, der Anblick deines/r sexy Partners / Partnerin oder einfach eine Blume, eine ästhetische Wolkenformation oder, wenn du von einem Kleinkind angelächelt wirst. Es gibt an jedem einzelnen Tag in deinem Leben Momente der Freude. Es ist eine Frage des Fokus, ob du diese wahrnimmst. Versuche noch heute, dich insbesondere auf diese schönen Momente und Erlebnisse zu konzentrieren, sie bewusst wahrzunehmen.

Wenn du dich auf das Glücksgefühl fokussierst, dann wird es zunehmen.

Beobachte dich selbst: Was ist es, was du „magst“, was deine positiven somatischen Marker anspringen lässt, was dir gut tut und sich gut anfühlt. Bei deiner Selbstbeobachtung wirst du dich besser kennenlernen und es werden dir immer mehr Freudenmomente auffallen. Es kann helfen, eine Tagebuch zu führen, in dem du alle erlebten Glücksmomente festhältst.

2. Erschaffe dir Glücksmomente

Um dir Glücksmomente erschaffen zu können, ist es wichtig, dass du weißt, was du magst und was deinen individuellen Vorlieben entspricht. Hierfür gibt es kein Patentrezept. Deswegen ist der erste Schritt zur Schärfung der Eigenwahrnehmung essentiell. Dann kannst du dir aktiv mehr von diesen Momenten in dein Leben holen: Gönn dir einen Smoothie, koche dir dein Lieblingsgericht, rieche spontan an einer Blume, laufe barfuss durch die Wiese mitten in der Stadt etc.

3. Empfinde Vorfreude und freue dich an Vergangenem

Kinder können für uns Lehrmeister der Vorfreude sein. Die Tochter einer Freundin ist vor lauter Freude hochgesprungen und hat einen Jauchzer gemacht, als sie erfahren hat, dass es am nächsten Tag Spaghetti zum Mittagessen gibt! Kinder haben die Gabe sich über Kleinigkeiten riesig zu freuen. Was ist das nächste, worauf du dich freuen kannst? Ein Urlaub, ein Besuch von Freunden, der Abschluss eines Projekts, dein Geburtstag, ein gutes Essen etc.? Du kannst dir z.B. täglich drei Mal den Wecker stellen und dich dann bewusst daran erinnern, worauf du dich freust. Das Gleiche ist auch mit Vergangenem möglich – du kannst z.B. dein Glückstagebuch hernehmen und regelmäßig darin lesen um dich an die schönen Momente zu erinnern und zu erfreuen.

Ich freue mich über deine Rückmeldung 🙂 Du kannst auf Instagram oder Facebook unter dem Bildbeitrag posten, was du umsetzen möchtest, und wie du mehr Freude in dein Leben holen willst, oder zu einzelnen Aspekten noch genauer nachfragen. Viel Spaß dabei!

Go for Gold & Be Blessed,

Lisa

Literatur zum Thema

  • „Gefühle, Geist und Ego“ von Anouk Claes
  • „Das Geheimnis kluger Entscheidungen“ von Maja Storch