Stell dir vor du bist eine erwachsene Person, die kaum etwas aus der Ruhe bringen kann. Selbst bei extremen Herausforderungen bleibst du „cool“ und findest kreativ Lösungen und Wege, um die Situation zu meistern. Du kennst deine Stärken und Schwächen ohne arrogant oder hochnäsig zu sein. Du stellst dich den Herausforderungen mutig, gehst sie an und schiebst sie nicht auf. Bist ein konfliktfähiger Mensch, der seine eigenen Werte kennt und sich selbst treu bleibt – in jeder Situation. Du gibst nicht anderen oder Umständen die Schuld für Negatives, das in deinem Leben passiert, sondern erkennst, wo du selbst für dein Leben und deine Zeit voll verantwortlich bist, und findest mit den Dingen, die du nicht beeinflussen kannst, einen Umgang, der dich wachsen und lernen lässt. Du bist entschlossen und triffst Entscheidungen mit Hand und Fuß. Du bist wie ein ruhender Pol, gelassen, besonnen, aber auch jemand, mit dem man viel Spaß haben kann. Du bist zufrieden mit dir selbst und deinem Leben, blickst zuversichtlich, hoffnungsvoll und voller Freude in die Zukunft und genießt die Gegenwart.

Ich denke, dass genauso jeder und jede von uns Menschen auf dieser Welt sein kann. Du musst dich dafür weder verändern, noch verbiegen, es steckt bereits in dir. Mit den folgenden Fragen und Übungen möchte ich dir helfen, mehr in diese Haltung zu kommen. Doch das Wichtigste zuerst: Vergiss nie, liebevoll und geduldig mit dir selbst zu sein. Vielleicht warst du schon lange nicht mehr in dieser Haltung. Vielleicht ist sie dir neu, unbekannt und vor allem auch ungeübt. Erwarte daher nicht von dir, dass du es jetzt sofort bis in die letzte Zelle fühlen musst, und dass du nie wieder in alte Muster zurückfällst. You are on your way, and that`s ok. Versprich mir nicht hart mit dir ins Gericht zu ziehen 🙂 Ok, nun kann es losgehen!

1. Die Erwachsenen-Ich – Haltung einnehmen

Den eingangs beschriebenen „Zustand“, diese „Haltung“ bezeichne ich als Erwachsenen-Ich*. Dieses Erwachsene-Ich steckt bereits jetzt in dir! Du musst dich nicht anstrengen Kompetenzen oder Attribute dafür zu erlernen, weil jeder von uns bereits das Potential ein entscheidungsfähiger, liebevoller, glücklicher und kompetenter Erwachsener zu sein in sich trägt. Kürzlich habe ich eine Serie gesehen, in der zwei Charaktere die Haltungen des Erwachsenen-Ich für mich besonders deutlich repräsentierten: Bill und Barb aus „Big Love“ (in der Serie geht es um Polygamie, also ein sehr kontroverses Thema, aber unabhängig davon, finde ich ist es in diesem Kontext einfach ein wunderbares Beispiel ohne für den Partnerschaftsstil Werbung machen zu wollen ;)) Kennst du in deinem Umfeld, aus einem Buch, einer Serie oder Ähnliches jemanden, der dir ein Vorbild oder Idol für genau diese Haltung sein könnte? Wenn du in einer schwierigen Situation steckst, vor einer Entscheidung stehst oder in einen Konflikt geraten bist, dann frage dich: Was würde dein „Erwachsenen-Ich“ jetzt tun, sagen, nicht sagen etc.? 

2. Stelle dich deiner größten Angst

Stelle dir die Frage nach dem „Worst-Case-Szenario“. In deiner Situation oder ganz generell in deinem Leben: Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Versuche diese Frage aus der Perspektive des Erwachsenen-Ichs heraus zu beantworten. Ist dein Worst-Case z.B. dass dein Partner, deine Partnerin stirbt, dann nimm dazu die Erwachsenen-Ich Haltung ein. Die Reaktion darauf könnte sein: Ok, das wäre sicher total schwierig, schmerzhaft und eine extrem schreckliche Zeit. Ich liebe meine/n PartnerIn. Der Schmerz wäre aber auch ein Zeichen dafür, dass ich sie / ihn wirklich geliebt habe. Ich bin nicht die erste / der erste, der selbst einen solchen Verlust übersteht. Irgendwann würde der Schmerz weniger werden und nach einiger Zeit, vielleicht ein paar Jahren, wäre ich wieder bereit jemand neuen kennen zu lernen. Ich weiß, ich würde wieder glücklich werden.

Was ist das Schlimmste, das in deinem Leben passieren könnte? Welches ist dein Worst-Case-Szenario?

Ein anders Beispiel: Wenn du Angst hast, dass du dein Studium nicht schaffen wirst und am Ende ohne Job dastehst, oder viele, viele Jahre vergeudet hast. Hier könnte die Erwachsenen-Haltung so klingen: Nun gut, ich gebe mein Bestes. Es gibt Vieles, was ich noch ausprobieren könnte, bevor es soweit kommt: Nachhilfe nehmen, in Therapie gehen wegen meiner Prüfungsangst, mit anderen gemeinsam lernen, mich mehr mit meinen StudienkollegInnen austauschen, ein Praktikum machen um Erfahrungen zu sammeln etc. Und wenn ich merke, dass es wirklich gar nicht klappt, dann überlege ich mir ernsthaft, ob es das richtige Studium für mich ist. Vielleicht gibt es noch eine andere Richtung oder Ausbildung, die meiner Persönlichkeit sogar noch besser entspricht. Auf jeden Fall habe ich in dieser Zeit wertvolle Erfahrungen sammeln und mich selbst besser kennen lernen können – das wird mir in Zukunft helfen.

3. Sicherheit finden

Im Erwachsenen-Ich entsteht das Sicherheitsgefühl nicht durch Abwesenheit von Angst, noch durch die Garantie einer guten Zukunft, sondern es entsteht im Vertrauen. Im Vertrauen auf die eigenen Kompetenzen, Fähigkeiten, Bewältigungs- und Lernmöglichkeiten und der Fähigkeit Schlimmes auszuhalten und daran zu wachsen. Die größte Angst, die wir haben, die Grundangst, die unter allen anderen Ängsten liegt, ist, dass wir mit einer Situation total überfordert sind und damit einfach nicht umgehen können. Egal, welches dein Worst-Case-Szenarion ist, die Grundangst ist immer, dass du mit der Situation nicht umgehen kannst, sie dir den Boden unter den Füßen wegzieht und du nicht weißt, wie du damit je wieder glücklich und zufrieden werden könntest. Und genau darum geht es. Seiner größten Angst so ins Auge zu sehen, dass du bemerkst: Am Ende ist egal, was passiert, aus jeder Situation kann ich etwas lernen. Ich werde Freude wiederfinden können. Ich werde Liebe wiederfinden können. Ich werde ein sinnvolles Leben führen können. Und diese Haltung, diese innere Gewissheit ist es, die dir in deinem Leben Sicherheit, Kraft und Besonnenheit verleiht. Wenn du dein Worst-Case durchgespielt hast, und im Inneren spürst, dass dir eigentlich nichts mehr wirklich passieren in diesem Leben, weil du mit allem irgendwie zurechtkommen und alles überwinden kannst, dann bringt das ungemeinen Frieden. 

Sicherheit entsteht im Vertrauen.

4. Sei neugierig und mutig

Mit der Angst ist es so, dass sie immer größer wird, je weniger wir hinschauen und durchgehen, sondern versuchen uns davor zu drücken. Niemand kann dir die Garantie geben, dass du nicht scheitern wirst, Leute dich nicht komisch ansehen werden oder du andere peinliche Dinge erlebst. Aber all das sollte dich nicht davon abhalten dein Leben mutig und neugierig zu leben. Denn: Auch all diese peinlichen Situationen könntest du überleben, daran wachsen und weitergehen! Stell dir das Leben wie einen großen Spielplatz vor, den du voller Neugierde entdecken kannst. Für uns ist es selbstverständlich, dass Kinder hinfallen und dann wieder aufstehen und weiterspielen. Oder dass sie mal wo runterfallen, weinen und dann wieder spielen wollen! Kein Kind würde sagen: Mir reicht`s. Jetzt bin ich zum dritten Mal hingefallen. Ich bleib daheim und beweg mich nicht mehr. Was für eine Vorstellung! Nein, nein, aufstehen und weitermachen. Wieder hinfallen. Wieder aufstehen und weitermachen! Das Leben hält wunderbare Momente für dich bereit, Abenteuer, aufregende Begegnungen und alles mögliche, was du nur erfahren wirst, wenn du dich aus deiner Komfortzone herauswagst und dich neugierig Neuem stellst. Das birgt immer ein gewisses Risiko in sich. Aber hey: Wenn alles eine Lernerfahrung ist, dann bestehen Fehler und Versagen eigentlich nur mehr darin Nichts zu wagen!

Der größte Fehler besteht darin, keine Fehler zu riskieren.

Nimm dir einen Moment Zeit dir den Lebensbereich genauer anzusehen, der mit Angst und Unsicherheit besetzt ist. Wenn du zu diesem nun in der Erwachsenen-Ich Haltung hin siehst, stell dir folgende Fragen:

Welche Entscheidung könntest du heute treffen, die du bisher immer aufgeschoben hast? Welchen Weg würdest du einschlagen, den du dich nie getraut hast zu gehen?

Be blessed,

Lisa

P.S.: Sind wir schon auf Instagram oder Facebook befreundet? Du kannst mich hier finden: facebook: @verbesserlich Instagram: @lisakoegler.

*) Ein Begriff der Transaktionsanalyse.