Ich bin 17 und lese mich durch die Studiengangsangebote österreichischer Universitäten und spüre die Tragweite dieser Entscheidung wie eine Last auf mir – was will ich für den Rest meines Lebens tun? Ich stehe im Supermarkt vor dem „Joghurt mit Früchten“-Regal und habe keine Ahnung zu welcher Geschmacksrichtung und Marke ich nun greifen soll.

Es ist egal, ob es kleine Entscheidungen, wie die Wahl eines Joghurts, oder die großen Lebensentscheidungen, wie die Berufswahl, sind. Mehrmals täglich werden wir mit einer unübersichtlich großen Anzahl an Wahlmöglichkeiten konfrontiert und müssen uns entscheiden. Das bleibt nicht aus. Auf der einen Seite super 🙂 – wer möchte nicht frei sein und sein Leben maximal selbst bestimmen können? – auf der anderen Seite auch ganz schön anstrengend und herausfordernd. Und selbst, wenn wir uns manchmal weigern und uns „nicht entscheiden“ ist auch das eine Entscheidung. Dann studieren wir nicht, essen kein Joghurt oder bleiben eingeschüchtert und ängstlich zu Hause sitzen. Und all das hat Auswirkungen auf unser Leben. No pressure. 

Lass dir Druck rausnehmen, denn es ist völlig normal, wenn dir das Auswählen schwer fällt! Neurologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Erregung im Belohnungszentrum bei steigender Angebotszahl zunimmt. Allerdings nur bis zu einer Anzahl von ca. 7 (+/-2) Optionen*. Wenn uns extrem viele Optionen zur Auswahl stehen, dann sinkt die Zufriedenheit mit der eigenen Wahl wieder oder es wird überhaupt keine Wahl getroffen. WissenschaftlerInnen erklären sich das mit sogenannten Verzichts- oder Alternativkosten. Wenn wir uns unter vielen Alternativen für eine Option entscheiden, bedeutet das gleichzeitig, dass wir uns gegen all die anderen entscheiden. Um das Risiko des Scheiterns, der falschen Wahl, zu verringern, werden Entscheidungen erst gar nicht getroffen, hinausgezögert oder wieder zurückgenommen. Das ist natürlich völliger Quatsch. Es fühlt sich vielleicht sicherer an, sich alle Optionen offen zu halten. Am Ende bleiben wir dann mit leeren Händen zurück. Unser Gehirn ist (noch) nicht so weit an unseren heutigen Lebensstil angepasst, dass es mit der Fülle an Möglichkeiten immer gut umgehen kann. Daher kann ich dich beruhigen, falls du dich selbst oft als unentschlossen erlebst – total normal ;). Es gibt aber ein paar hilfreiche Tricks und Tipps, die dir helfen können, deine Unentschlossenheit zu überwinden und leichter Entscheidungen zu treffen, bei denen du auch bleibst.

Du bist fähig, die besten Entscheidungen für dein Leben zu treffen. Vertraue auf die Fähigkeiten deines Verstandes und deiner Intuition.

Vor allem bei Entscheidungen, denke ich an drei Aspekte unseres Seins, die wir zu Hilfe holen können: Den Kopf oder Verstand, unser Herz bzw. die Intuition und das Handeln selbst. Manche Menschen neigen eher zum (Zer-)denken, andere hören (kopflos) auf das Gefühl und die dritte Gruppe wiederum packt einfach an und rutscht in Lebenssituationen oder einen Beruf hinein, ohne eine bewusste Entscheidung dafür oder dagegen getroffen zu haben. Die besten Entscheidungen triffst du dann, wenn du alle Ebenen miteinbeziehst.

Denken

Rational eine Entscheidung zu treffen fällt uns leichter, je konkreter, greifbarer und in den Konsequenzen abschätzbarer eine Option ist. Nehmen wir bspw. an, du bist in der Entscheidung hin- und hergerissen, ob du dir einen Job in der Jugendarbeit oder einen in der Erwachsenenbildung suchen möchtest. Die Entscheidung wird dir leichter fallen, wenn in beiden Richtungen konkrete Jobangebote vorliegen und du das Gehalt, das Kollegium und das „Gefühl“ während der Bewerbung miteinander vergleichen kannst. Sind dann die Optionen konkreter und eingegrenzter kann folgende Übung helfen: Was ist deine Variante A? Was ist deine Variante B? Wie wäre beides gleichzeitig? Wie wäre keines von beiden? Oder wie wäre noch etwas total anderes? Diese Übung, genannt Tetralemma, hilft „out-of-the-box“ zu denken und Lösungen zu finden, die vielleicht etwas unkonventionell sind, nicht sofort auf der Hand liegen und sie befreit uns aus dem häufig vorkommenden und oftmals hinderlichen „Entweder-Oder“ Denkmodus.

Intuition

Nicht zu verachten ist der Informationsgewinn, den du durch dein Bauchgefühl erhalten kannst. Als sehr nützlich habe ich die sogenannte Affektbilanz erlebt: Schreibe dir dazu in eine Zeile deine Optionen. Trage in die erste Spalte alle relevanten Emotionen ein, die dabei ausgelöst werden, z.B. Angst oder Freude etc. Bewerte nun jede Option mit den relevanten Emotionen auf einer Skala von 1 bis 10. Ein Beispiel: Option A, einen neuen Job annehmen, löst Angst mit einer Bewertung von 7 aus, wobei 10 für Panik steht. Gleichzeitig bereitet dir die Vorstellung Freude mit einem Skalenwert von 8. Variante B, wie bspw. im derzeitigen Job bleiben, bewirkt einen Angstwert von 5, aber auch nur Freude von 2. Diese Informationen können dir Klarheit verschaffen, welche Variante dir intuitiv lieber ist bzw. welche dir mehr Freude bereitet.
Besonders für denklastige Menschen ist es wichtig anzuerkennen, dass die beste Lösung nicht unbedingt rein rationalen Kriterien unterliegen muss. Wenn du etwas magst und es bei dir Freude auslöst, dann ist das ein wertvolles Entscheidungsargument.

Handeln

Wenn wir uns einfach nicht entscheiden können, müssen wir manchmal einfach ins Tun gehen – ein Praktikum machen, Freiwilligenarbeit leisten und vor allem: Etwas total Neues ausprobieren, um zu sehen, wie es uns gefällt! Handeln ist in vielerlei Hinsicht nützlich: 1) Es steigert dein Selbstvertrauen und Selbstwert, 2) es liefert dir neue Erkenntnisse, sodass du eine Option viel besser einschätzen kannst und 3) es entsteht währenddessen ein (Bauch-)Gefühl, das dir weitere hilfreiche Informationen für deine Entscheidung liefert.

Überlege dir mit welchem „Seinsanteil“ du meistens Entscheidungen triffst und versuche zukünftig bewusst auch die anderen miteinzubeziehen. Hast du einen Hang zu einem oder zweien, dann konzentriere dich vor allem auch auf das/die andere(n). Für kleinere Entscheidungen, wie z.B. die Joghurtwahl oder anderes, bei dem du dich zwischen zwei oder mehreren Dingen einfach nicht entscheiden kannst, habe ich noch einen super Tipp für dich 🙂 Es funktioniert und wird dich an deine Kindheitstage erinnern: Auszählen! Ja, du hast richtig gehört. Bevor du dir den Kopf zerbrichst und Energie in eine unwichtige Entscheidung fließen lässt, kann es manchmal richtig befreiend wirken einfach auszuzählen oder die altbekannte Münze zu werfen.

Eine Grundregel habe ich noch für dich:

Treffe nie aus einer emotionalen Situation heraus eine wichtige Entscheidung.

Unser Gehirn ist in Stresssituationen, unter starker Angst oder in sehr emotionalen Momenten nicht in der Lage „klar“ zu denken oder kreative und konstruktive Lösungen zu finden. Es kann vorkommen, dass du dir besonders in einer solchen Situationen eine rasche Entscheidung herbeiwünschst. Solche Entscheidungen entstehen im Affekt; wenn du dich beruhigt hast und dein Gehirn wieder normal funktioniert, sind solche Entscheidungen selten gut gewesen. Halte dich deshalb zurück und treffe wichtige Entscheidungen nur aus einem gelassenen, freudigen, neugierigen und vertrauensvollen Zustand heraus. 

Wenn du noch tiefer in die Materie einsteigen möchtest, dann lass dir das Seminar „Leichter Entscheidungen treffen“ am 23.Juni nicht entgehen. Ich wünsche dir immer mehr Freude beim Entscheiden. Du bist befähigt die besten Entscheidungen für dein Leben zu treffen. Niemand kann das so gut wie du!

Be blessed,

Lisa

P.S.: Sind wir schon auf Instagram oder Facebook befreundet? Du kannst mich hier finden: facebook: @verbesserlich Instagram: @lisakoegler.

*) Aus dem Buch „Ich weiß nicht, was ich wollen soll.“ von Ben Kast.