Vor kurzem habe ich ein wunderbares Beispiel an Selbstsabotage geliefert. Ich sollte meine Freundin nach einer Magenspiegelung vom einem Krankenhaus abholen, das mir noch völlig neu und unbekannt war. Ich wusste, ich sollte den Eingang Süd nehmen. So weit, so gut.

Ich machte mich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg und erreichte das Spital. Jedenfalls sagte das Google Maps. Ich stand nämlich vor einer großen, langen, 6-spurigen Straße mit viel Verkehr und keiner Ampel oder Unterführung oder Überführung weit und breit. Zudem war das dahinterliegende Krankenhaus mit einem wunderbaren Maschendrahtzaun abgeschirmt. Etwas verärgerte entschied ich mich Richtung Süden zu gehen und dort nach einem Eingang zu suchen. Gott sei Dank kann ich Google Maps soweit lesen, dass es (fast) kein Problem für mich war Süden zu finden. Allerdings fand ich dort keinen Eingang, sondern ein Netzwerk aus Innenhöfen, Gemeindebauten und verwirrenden Wegen. Nach ca. 20 Minuten fand ich doch einen Eingang eher im Westen des Gebäudekomplexes. Es stellte sich nämlich heraus, dass es nicht ein Gebäude, sondern gleich über zehn Bauteile waren! Der Übersichtsplan half mir nichts, da ich keine Ahnung hatte, in welchem Gebäude die Untersuchung stattgefunden hatte. Also entschied ich mich für das Gebäude in der Mitte mit der Bezeichnung „Empfang“. Natürlich habe ich nach „Eingang Süd“ des Krankenhauses gegoogelt – und nichts Verwertbares finden können. Der Hunger kam jetzt noch hinzu und, zunächst von mir noch unbemerkt, startete die Selbstsabotage: Warum hat sie mir nicht den Namen des Gebäudes gesagt? Wie soll ich sie hier bitte finden? Selbst schuld, wenn ich jetzt zu spät bin! Soll sie sich doch aufregen!

Erkenne Selbstsabotage. Die trotzige Kind-Ich-Haltung.

Ein weiteres Körperbedürfnis regte sich, also suchte ich vorerst mal ein WC auf. Setzte mich dann mit meinem Buch auf eine Bank und steigerte mich weiter in meinen Ärger hinein. Ironischerweise habe ich gerade das Buch „Mindfuck“ von Petra Bock gelesen, in dem es um Selbstsabotage geht. In einer geistesgegenwärtigen Sekunde analysierte ich die Situation. Meine Freundin hatte eine Untersuchung. Ok, sie hätte mir besser den Weg erklären können, aber was nützt das jetzt?

Aktiviere dein Erwachsenen-Ich.

Wie würde sich in dieser Situation eine erwachsene, reife, ausgeglichene Person verhalten? Ganz genau: Nach dem Weg fragen! Ich merkte, wie sich alles in mir sträubte, aber dennoch gab ich mir innerlich einen Ruck und ging zu einem der Informationsschalter. Der freundliche Herr meinte, sie könne nur auf der Chirurgie sein: Raus, links, zweiter Weg rechts. Voilà! Ein paar Minuten später war ich im richtigen Gebäude, in dem ich auch noch einen Automaten mit Extrawurstsemmel (für nur 1,30 EUR !) fand! Alle Bedürfnisse befriedigt und stolz auf meine Problemlösung war ich zufrieden und überlegte mir dann, was ich jetzt mit der weiteren Wartezeit anfangen wollte.

Worauf möchtest du deine Konzentration richten?

Eigentlich, dachte ich, geht es hier um meine Freundin. Sie hat gerade eine sehr unangenehme Untersuchung mit Vollnarkose. Und in dem Moment, als ich meine Konzentration auf meine Freundin richtete, war mein Ärger wie weg. Es war mir sogar etwas peinlich, dass ich mich vorhin wie ein Kind benommen hatte, während ich jetzt Verantwortung übernehmen und mich um sie kümmern wollte. Wenige Minuten später war sie auch schon abholbereit :).

Die Moral von der Geschichte: Lerne deine eigene Selbstsabotage-Strategien kennen und überwinde sie! In einem der nächsten Beiträge werde ich über Selbstsabotage-Strategien schreiben und wie du sie erkennen kannst – also stay tuned auf Facebook und / oder Instagram, oder melde dich für die Newsmail an, um nichts zu verpassen :).

Go for Gold & Be Blessed,

Lisa