Zukunftsängste überwinden

Ich bin mal so kühn und stelle die Theorie auf, dass es eine ganz entscheidende Haltung gibt, die Zukunftsängste nährt: Passivität. Damit meine ich, dass man seine Zukunft nicht wirklich „in die Hand nimmt“, auf Umstände und Ereignisse eher reagiert als agiert und im Geheimen, vielleicht sogar Unbewussten, auf einen Retter hofft, der irgendwann auf einem Pferd geritten kommt, die eigene Einzigartigkeit und Großartigkeit erkennt und einen fördert. Zu allem Überfluss ist diese innere Haltung einem selbst oft nicht bewusst. Das heißt, es ist knifflig, sich diese Passivität überhaupt einzugestehen.

Selbstvertrauen gewinnen

Zukunftsangst ist eng gekoppelt an ein fehlendes Selbstvertrauen. Selbstvertrauen ist das Vertrauen in die eigenen Kräfte und das eigene Können, dass man das schaffen kann, was man sich vornimmt, und das erreichen und bekommen kann, was man sich wünscht. Fehlendes oder geringes Selbstvertrauen ist aber kein festgefahrener Zustand. Nein, daran kann man arbeiten! Und zwar durch positive und negative Erfahrungen. Am besten kann man sein Selbstvertrauen stärken, in dem man Herausforderungen annimmt. Manche werden vielleicht nicht gelingen, andere aber schon. Selbst, wenn wir scheinbar „scheitern“, haben wir neue Erfahrungen gemacht, etwas Neues dazugelernt oder uns selbst zumindest ein Stück besser kennengelernt. Mangelndes Selbstvertrauen bedeutet auch, nicht zu wissen, wo die eigenen Möglichkeiten des Könnens und Wissens und wo die eigenen Grenzen liegen. Wir sind uns dessen nicht „bewusst“, man könnte auch sagen, wir haben ein geringes Selbstbewusstsein. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns ab und an aus unserer Komfortzone herauswagen und neue und unbekannte Dinge ausprobieren. Denn nur so können wir neue Erfahrungen machen, uns selbst kennenlernen und erleben, wo unsere Fähigkeiten, aber auch unsere Grenzen liegen. Nun schließt sich der Kreis wieder zur Passivität. Es geht darum die Beine in die Hand zu nehmen und aktiv zu werden!

Leben in der Fülle

Früh habe ich gelehrt bekommen, dass Angst und Kontrolle zwei Seiten derselben Medaille sind. Ob wir uns nun ängstlich, panisch zurückziehen oder aufgeregt, kontrollierend schnelle Entscheidungen (aus der Angst heraus) treffen – es sind beides keine Strategien, die uns aus der Zukunftsangst heraushelfen. Der wahre Gegenspieler zur Angst ist das Vertrauen. Lange Zeit stand ich ratlos mit diesem Wissen da, denn was bedeutet das denn nun konkret? Ich hatte keine Vorstellung davon, was es bedeuten könnte vertrauensvoll zu leben.
Es fehlt bei der Dualität von Angst und Kontrolle auf Gefühlsebene noch eine weitere Ebene – die Handlungsebene.

  Leben im Mangel Leben in der Fülle
Handlungsebene Kontrolle / Passivität Aktivität / Kreativität
Gefühlsebene Angst Vertrauen / Mut

Wir können unser Leben so leben, dass wir den Blick in die Vergangenheit, nach hinten gerichtet haben, metaphorisch gesehen. Damit meine ich nicht, dass man Dinge aus der eigenen Vergangenheit aufarbeitet oder gerne in Erinnerungen schwelgt ;). Vielmehr möchte ich damit einen Zustand beschreiben, in dem wir unseren Blick darauf gerichtet haben, was wir bereits besitzen und wieder verlieren könnten und nicht drauf, was wir gewinnen könnten. Wir leben im Modus des Festhaltens und Kontrollierens und haben Angst vor Verlust. Das ist ein Leben im Mangel. Es entsteht eine Angst, die man nur ertragen, derer man nur ausharren kann. Eine Angst, die extrem unangenehm ist: Zukunftsangst.

Wir können uns aber auch dazu entschließen, das Leben zu leben mit einem nach vorne gerichteten Blick. Das bedeutet, dass wir unsere Träume und Leidenschaften verfolgen, ihnen nachgehen. Das muss nicht der Traum deiner Berufung sein, es können auch Träume sein wie einmal zu segeln, ein Buch zu schreiben, mehr Zeit mit den Enkelkindern zu verbringen oder anderes. Wir sind Wesen, die dazu gemacht worden sind schöpferisch tätig zu sein. Das bedeutet, dass man ein Bild in der inneren Vorstellungskraft entwickelt und dieses Wirklichkeit werden lässt. Simon Sinek, ein amerikanischer Psychologe, hat Erfolg so definiert: Erfolg ist, wenn das Bild vom eigenen Leben, das man mit seiner Vorstellungskraft entworfen hat, mit dem eigenen realen Leben übereinstimmt. Ich persönlich mag diese Formulierung extrem gerne. Das eigene Leben aktiv zu gestalten bedeutet aber auch hin und wieder Risiken einzugehen und aus der eigenen Komfortzone herauszutreten. Das erfordert Mut. Mut ist bekanntlich nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr der Entschluss trotz Angst etwas zu wagen. Ich würde aber behaupten, dass sich diese Form der Angst anders anfühlt als die „passive Zukunftsangst“. Diese Form der Angst kann unser Freund und Begleiter sein, der uns daran erinnert, dass wir außerhalb der Komfortzone Schritte setzen und etwas Aufregendes und Großartiges auf uns wartet!

Angst aus dem Leben verbannen zu wollen funkioniert nicht. Gott sei Dank. Sie ist es nämlich, die uns davor bewahrt uns in lebensgefährliche oder bedrohliche (Lebens-)lagen zu bringen. Sie ist sozusagen unser persönlicher Bodyguard. Das Leben zu leben bedeutet, einen Balanceakt zwischen Sicherheit und Komfortzone und Risiko und Gefahr andererseits zu vollführen. Es ist eine Kunst, die der Übung bedarf. Und manchmal tendieren wir in die eine Richtung, manchmal in die andere. Und selbst wenn wir mal vom Schwebebalkon in eine Richtung fallen – aufstehen und weitermachen!

Ich hoffe, diese Zeilen konnten dich ermutigen, Neues auszuprobieren und etwas zu wagen. Ich würde mich freuen, wenn du mir davon berichtest 🙂 Bitte gib mir auch gerne Feedback, wenn du andere Erfahrungen mit Zukunftsängsten gemacht hast oder noch weiter Gedanken zum Thema hast!

**Wenn deine Zukunftsangst aufgrund eines Traumas oder einer traumatischen Erfahrung entstanden ist, dann hol dir bitte Unterstützung bei einem / einer erfahrenen Traumatherpeut*in oder -berater*in. **