Der persönliche Glaube ist in unserem Kulturkreis größtenteils ein Tabu. Viele leben ihren Glauben sehr privat und individuell und oft spricht man nicht mal mit guten Freund*innen darüber. Unsere Glaubenssätze prägen sehr stark, wie wir den Herausforderungen des Lebens begegnen und Erfahrungen oder Schicksalsschläge einordnen.

Glaubenssätze sind Gedanken, von deren Wahrhaftigkeit wir absolut und grundlegend überzeugt sind. Die könnten sich zum Beispiel so anhören: „Ich kann nichts.“, „Ich bin introvertiert.“, „Ich bin der Beste“, „Ein wissenschaftlicher Beweis ist der absolute Beweis, dass etwas so ist, wie es ist.“, „Gott liebt mich“ usw. Glaubenssätze suchen wir uns meist (nicht immer!) nicht aus, sondern wir entwickeln sie aufgrund unserer Erfahrungen. Diese Glaubenssätze legen sich dann wie Filter über unsere Wahrnehmung. Wir sehen, hören und spüren vermehrt das, was zu unseren Glaubenssätzen passt und diese bestätigt. Sie brennen sich somit immer weiter in unsere Gehirnwindungen ein und werden zu schnell und einfach befahrbaren Denkautobahnen.

Glaubensssätze können wir in vielen Situationen als hilfreich erleben. Selbst die scheinbar Negativen. „Ich kann nichts.“, kann mich zum Beispiel davor schützen Gefahren einzugehen – dieser Satz lässt mich „ruhigen Gewissens“ in meiner Komfortzone bleiben, weil ich ja eh nichts kann. Er gibt mir einen guten Grund, nichts Neues zu wagen oder Risiken einzugehen. Wie gesagt, kann das manchmal hilfreich sein. In anderen Situationen ist er wiederum hinderlich – ob bewusst, oder auch unbewusst, beginne ich Reaktions- und Handlungsmuster zu entwickeln. Es fällt mir schwer aus meinen Angewohnheiten rauszukommen. Jetzt kommt die gute Nachricht: Unser Gehirn ist neuroplastisch. Das bedeutet, dass wir Denkautobahnen wieder rückbilden und neue bauen können. Ist das einfach? Nein, ist es nicht, aber es ist möglich! (Auch das könnte ein Glaubenssatz sein :))

Glaubenssätze hat jeder von uns. Völlig egal, ob wir einer Religion angehören und diese ernst nehmen oder nicht. Diese Gabe des Menschen zu Glauben verstehe ich als eine sehr kraftvolle und starke Ressource gemäß der sprichwörtlichen Kraft des Glaubens Berge zu versetzen. Meine eigene Prägung ist christlicher Natur, obgleich ich offen und einladend bin für jede Glaubensrichtung, ob es einer der großen Weltreligionen ist, oder es sich um persönliche und individuelle Vorstellungen handelt.

„Denk einfach positiv“ – es geht auch leichter

Von einer guten Bekannten und Beraterin habe ich selbst bezüglich Glauben einmal einen sehr hilfreichen Tipp erhalten. Viele verstehen den Aufruf zum Glauben so, dass man nur genug an etwas glauben muss, damit es sich erfüllt. Wenn ich nur wirklich fest daran glaube, wird das, was ich mir wünsche, auch passieren – ich muss also „nur“ ganz fest glauben und positiv denken.

Diese Einstellung kann großen Stress und eventuell auch Schuldgefühle verursachen. Denn, wenn es nicht klappt, dann habe ich nicht genug geglaubt! Sehr hilfreich kann es jedoch sein, wenn wir nicht versuchen uns von etwas zu überzeugen, von dem wir eigentlich nicht überzeugt sind. Statt einer solchen 180°-Denkänderung, kann es leichter und effektiver sein nur kleine Denk-Anpassungen vorzunehmen. Ein Beispiel: Ich habe die Überzeugung, dass ich nie einen guten Job finden werde. Erst gestern wurde ich darin wieder bestätigt, als ich eine Absage auf einer Bewerbung erhalten habe. In der Frustration und der scheinbaren Bestätigung meiner Annahmen ist es schwierig für mich positiv zu denken. Versuche ich zu denken, dass ich demnächst einen tollen Job finden werde, so fühlt sich das nicht authentisch an. Als ob ich versuchen würde mir etwas einzureden, was nicht ist.

Ein kleines Umdenken könnte sich beispielsweise so anhören: „Ich habe noch nicht den richtigen Job gefunden. Es könnte sein, dass es das nächste Mal klappt.“ Damit gebe ich der Möglichkeit Raum, dass ich zu irgendeinem Zeitpunkt einen guten und tollen Job finden werde. Ich muss davon nicht 100%ig überzeugt sein. Es reicht völlig aus, dass ich dieser Möglichkeit Raum gebe.

Probier’s doch einmal aus und berichte, wie es dir dabei ergangen ist. Habt ihr noch andere hilfreiche Gedanken oder Fragen zu diesem Thema?